Liebe Tante SPD – Gertrud schläft

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Anlass der Bewirtung: Schulz will Kanzler werden und Maybrit Illner mit Frank Stauss, Mitinhaber Agentur „Butter“

Liebe Tante Gertrud – lieber Onkel Joseph – liebe Tante S P D… I feel so lonely … I want to leave … habt Ihr vielleicht gestern Abend Maybrit Illner gesehen? Euer werter Mann da: Auf die Frage, ob er einer Genossin (sic!), die 20 Jahre euren Laden mitgemacht hat, und nunmehr dummerweise bei der AfD gelandet ist, eine Rückrufaktion gönnen würde, antwortet er brüsk: Niemals.

Ich habe mir Euren Mann da in der Folge noch ein bisschen angeguckt. Und habe mir gedacht. Stimmt. Niemals käme eine Genossin auf die Idee, so einer Partei nochmal beizutreten.

Und jetzt noch das. Ich dachte, Schulz soll Außenminister werden. Jetzt will er auch noch  Kanzler werden, ich bin ratlos!

Mein Resümee für die Donald Trump Wahl Amerikas geht inzwischen in diese Richtung: es liegt nicht an den Inhalten, es liegt nicht an den Populisten, es liegt auch nicht an der gefühlten Armut oder an der Angst vor Armut. Es liegt auch nicht an der Donald-Duck-Sprache. Das alles mischt sich nur unter einen anderen Haufen. Und der heißt Personenkult a la SPD (Auch Hillary Clinton war dem oder Ähnlichem erlegen.)

Der Starkult im Land. Wenn fleißige Bürokraten glauben, sie hätten das Zeug zum Helden, zum Superstar. Dann ist nicht etwa mit den Inhalten etwas falsch, nicht mit den Leitbildern, sondern mit dem Charisma der Bürokraten, die glauben, sie wären zu Höherem berufen. Sie haben kein Charisma. Glauben aber, sie hätten es?

Sie spielen schelmische Spielchen und lachen ironisch. Oh Oh Tante SPD.

Wie soll das wieder werden? Wenn das Weiterso weiterbeklatscht und nicht zur Kenntnis genommen wird, dass die Trumpologen genau diese Lücke gesehen haben, es ausreicht entweder Schauspieler (Reagan) oder Entertainer (Trump) zu sein, so landet Tante S P D bald unter 15 % und die andern teilen sich den Kuchen. Aber unsere fleißigen Klatsch-Klatsch-Tanten wollen es einfach nicht verstehen?

Haben sie nicht vernommen, was der Herr aus Österreich gestern mit auf den Weg geben wollte? Kümmert euch um eure Leute! Hat er gesagt. Jetzt kümmern sich die noch liberaleren um die, die glauben, es sei inzwischen egal, wer sie führt, Hauptsache es passiert niemandem nichts.

Unser Herr da, ein Berater der S P D, hat die gar nicht auf dem Schirm. (das Wort kleiner Mann kann er nicht mehr hören – nicht mehr sehen – stimmt – der wohnt im Wedding und in Britz)  Dieser Mann hier redet von Komplexität – Leute, das will nur auch niemand mehr hören, auch, wenn wir ehrlich sind, kein Mensch mehr wissen (das ist ein sehr  akademischer Diskurs, nicht wahr?): O-Ton: Natürlich sind die (Unmutsbekundungen) in sozialen Zusammenhängen begründet, ABER sie sind auch in vielen anderen Dingen begründet, die ich schon benannt habe. O-Ton. Ich hörte es knistern.

Ja-Aber. Ja-und-Nein in einem. Und Jadoch vielleicht. So gefällt man sich in moderatem Miteinander in diesem Alles-möglich-Alles-erlaubt-nichts-geht-weiter-Hegemon und spricht dabei weder Tacheles noch Nachvollziehbares, so verlässt man seine Leute, und lässt sie urteilen und verurteilen. Das Urteil der Leute ist gnadenlos, wie wir gesehen haben.

Dieser Alles-ist-im-Wandel-Sprech. Natürlich wandelt es sich. Schon immer. Die vier Jahreszeiten. Fette Jahre. Dünne Jahre. IT macht Jobs kaputt. IT schafft Jobs. Aber tue man doch nicht so, als hätte Ottonormalverbraucher das nicht kapiert. Es scheint vielmehr die SPD den Wandel zu verschlafen. (Der geht nicht nur nach vorn?!)

Dieser Wandel heißt plötzlich: Openmind von gestern ist Schottendichtfürheute geworden. Das gehört ebenfalls zusammen und ins Denken mitgeführt.

Holt die Leute dort ab, wo sie sind: mitten im Wandel und nicht dort, wo die SPD stecken zu bleiben droht. In einem von Kanzler Schröder mit Gazprom und Hartz IV und Mecki Messer Riesters Rentenzusammenklappgelaber gebasteltem System, das die eigenen Leute auf die Strafbank setzt. Verkehrte Welt. Schröder schlägt die CDU mit CDU-eigenem Programm. Merkel schlägt zurück und damit die SPD. Ein wirklich sinnreiches Spiel.

Nochmal, Herr Wahlkampfhelfer der SPD:

Erstens. Ich hier bin ein Niemand. Kapierst du das? So fühle ich mich. Ein Niemand. Kein Psychologe kann mich hier noch abholen. Das ist keine Sache für den Arzt. Das ist das Ergebnis einer Politik, die nur sich selbst meint. Aber hör: Ein Niemand erträgt es nicht, wenn einer von euch behauptet, ich sei Teil von Etwas, das es nur unter Euresgleichen gibt, mir also mein Du-Bist-Niemand auch noch zum Vorwurf gemacht wird.

Denn Dein ICH weiß nichts von mir. Verstehst du das überhaupt? Du sagst jetzt, niemand könne von sich sagen, er sei ein Niemand. Der muss doch was missverstanden haben, dieser Niemand. Dann nenn‘ diesen Niemand nicht mehr Niemand, sondern Tante Getrud und Onkel Joseph von nebenan. Es bleibt das gleiche. Tante Gertrud schläft. Und Onkel Joseph guckt nachmittags Fernsehen, und abends schläft auch Onkel Joseph.

Belehrungen, wer er, Joseph, am Abend sei, oder sie, Getrud am Kassiererautomat, ertragen inzwischen weder Onkel Joseph noch Tante Getrud nicht. Denn niemand hat sie gefragt, ob sie zufrieden sind. Die fragen immer nur, wen wählst du nächstes Mal. Nie warum du nicht mehr zur Wahl gehst. Denn die Antwort lautet immer wieder: Nun, die lügen sich was in die Tasche. Siehst du Onkel Joseph, Tante Gertrud. Mit solchen Leuten wie euch will niemand reden! Ihr antwortet immer nur in Stereotypen. Tante Gertrud, Onkel Joseph, nun werdet doch mal wach. Nein, Tante Getrud ist noch Einkaufen, und Onkel Joseph spült das Geschirr. Da muss ich es eben sagen: Hey, Leute da, ihr ausgebildeten Propheten. Könnt Ihr beim Nächsten Mal bitte auch an Joseph und Gertrud denken, wenn Ihr über euch selbst nachdenkt?

Die Mär vom Weißen Mann. Die Mär von der Emanze. Im T-Shirt und im Nachtlokal. Da haben sie schon wieder einen Begriff für dich. Du seist ein Spinner aus dem Internet. Hey Gertrud, hey Joseph. Könnt ihr denen mal verraten, dass wir hier, wir drei, real und echt sind, jeder für sich. Ganz echt. Der eine wohnt unterm Dach, der andere in Transnistrien – zumindest in seinem Kopf – wenn er Fernsehen guckt, in Wirklichkeit im zweiten Stock. Habt Ihr das?

Dann eben nicht. Hier nun Zweitens: Wir leben in einem Land, in dem jeder auf den Fehler des anderen wartet. Deswegen haben WIR uns für Fehlervermeidungsstrategien entschieden. Wir bewegen uns lieber nicht. Wir sagen nichts. Wir wagen nichts. Wir gucken nur. Und dann kommt die Wut. Am Sonntag im Wahllokal. Zwei Kreuze. Bums. Jetzt zeig ich’s dir! Bums. Kreuz eins Kreuz zwei. Ich habe immer gesagt, ich wähle nicht. Jetzt wähl ich doch. Und wo landet mein Kreuzchen? Nicht bei Tante SPD. Die lügen ja noch immer. Das geht natürlich auch an Tante SPD nicht spurlos vorbei. Sie macht jetzt auf Angsthase … macht eigentlich immer weniger. Man kommt ganz gut zurecht mit Tante SPD. So mut- und zahnlos. Jeder will perfekt sein. Jeder will es besser wissen. Die Fakten, wissen wir, sind Teil des Problems:

Deswegen Drittens. Der Begriff des Establishment ist wirklich grrrrrrrauslig. Ja, er ist tatsächlich fürchterlich. Warum hört ihr dann nicht einfach auf damit? Hört auf, etabliert zu sein, kommt doch Tante Gertrud und Onkel Joseph mal besuchen. Bringt ein bisschen Kuchen mit und Wodka. Und wir machen eine Sause. Stattdessen die klassischen Frames und das profaktische Wissen – das interessiert vielleicht nur dein ICH, sich profilieren, und den neusten Sprech sprechen, aber sonst Niemanden. Denn Tante Gertrud schläft und Onkel Joseph raucht sich eine und ich schreibe diese Nummer.

Morgen dann … ja morgen dann … ist auch Teil des Problems.

Dass ihr voneinander abschreiben könnt, haben wir begriffen. Euch gegenseitig zuhören, Lauschen. Und lernen voneinander. Interessiert nur Niemanden. Das ist nur Teil des Problems. So ihr beiden Süßen da, Schulte und Gabriel, werdet euch einig auf dem Foto? Auch das ist Teil des Problems.

Tante Getrud und Onkel Joseph wissen einen Rat, ich kann ihn unterstützen:

Liebe Tante SPD: Wie wäre es mal wieder mit einer Runde Opposition? Einfach mal die Stühle räumen, sich in die zweite Reihe setzen und mal ein bisschen rumstänkern wieder. Was glaubt ihr, wie Tante Gertrud und Onkel Joseph das finden? Töfte sagen sie. Töfte ja. Butter bei die Fische. Trommelwirbelt mal wieder Tante SPD: Denn die Fehler sind immer bei den anderen. Auch das ist Teil des Problems.

Trumpologien

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Schwierig, das zu verstehen? Wenn man es komplex will ja. Will man es klarhaben, relativ einfach. Alle Archetypen der Mythologien einmal durch den Wahnsinn gejagt multipliziert mit den Möglichkeiten der neuen Medien. Macht Sex, Porno, Hate-Speech plus Unterwäsche. Macht Entsetzen, Wut und Ignoranz. Macht Bonobo gepaart mit Baumstämme rauf wie runter. Macht Toxikologie geteilt durch seine Verbrennbarkeit. Wir haben uns längst an Emerich gewöhnt, da kommt es noch schlimmer. Wenn Kino glaubt, es drehe einem den Hals um, die Wirklichkeit bricht einem das Genick?

Will ich das zusammenfassen, in wenigen Sätzen, brauche ich Schlagworte: Rassismus. Establishment. Sexismus. Wut. Cowboystiefel. Wrestling. Den Urschlamm der Postmoderne. Gut und Böse stehen sich Auge im Auge. Die Seelen einer jeden Brust öffnen sich und lassen alle Miesepeter, Greenhorns und sämtliche Ansichten eines Clowns neu auferstehen. Nur dass diesmal Frankenstein Autor ist und nicht Werner Herzog. Will ich es verstehen, müsste Wim Wenders Out of Rosenheim noch einmal drehen, nur mit Tarantino als Tankstellenwärter. Will man das verstehen, muss man G.W. Bush noch einmal von vorn bis hinten ansehen. Das Amerika, von dem wir hier reden, hatte einen kurzen glamourösen Auftritt in einer Oper von Verdi, der Reality-Schock kam nachmittags übers Reality-TV in jedes Wohnzimmer … da bluteten die Herzen, Nasen und sonstige verwundbare Stellen. Der Mensch auf der Suche nach Schmutz, Unrecht und My Home is my Bomb.

Es ist dies vor allem ein Sieg der Medien über sich selbst. Wenn man alles darf, keine Zensur hilft, jeder noch so Dahergelaufene plötzlich Hauptrollen übernimmt, nur weil mehr als zwanzigtausend auf der anderen Seite Yeah Yeah Yeah rufen, haben wir den Salat versalzen und gepfeffert gewürgt und verstopfend. Das postmoderne Märchen weicht dem modernen des Anything goes und Shit Happens … und da Moral, Ethik und Anstand langweilige Spielarten der Disziplin und der Kontinuität nach sich ziehen, will man es lieber heiß als kalt, lieber erschreckend als beruhigt, lieber monströs statt beschaulich.

Es gibt genug Hinweise, dass da plötzlich eine heile Welt durch eine zombierte ausgetauscht wird. Und niemand will das gesehen oder erahnt haben? Wo sind unsere Zukunftsforscher, die Psychologen und die Vermittler und Diplomaten und Weisen und Autoren und Lehrer und Mütter und Pfarrer und Autoschlosser und Mechaniker und Chemiker und Biologen und Elektriker und Programmierer und Barbetreiber und Musiker und Zugführer und Verkäuferinnen und sowieso alle, die morgens die Straßen säubern, abends die Straßen säubern,  die Wurst der Metzger, das Lamm?

Sie alle verrichten ihre Jobs jenseits der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit aber wird bestimmt von Bildern, Film, Interviews, von Noisy-People. Es ist also der mediale Triumph eines Trump im Lautesten der Lauten.

Um sich heute Gehör zu verschaffen, musst du provozieren und die Lücken des Schweigens aufreißen. Höher schneller weiter und am Ende haben wir alle eine dicke Schnauze?

Die hat nun ein vorzeitiges Zwischenhoch erreicht, und die Furcht geht um, das ließe sich noch toppen. Wahrscheinlich lässt es sich noch toppen. Denn die Kinofilme haben es schon drauf. Und wir, die Immunisierten gegen all diesen Trash und Lärm wollen noch mehr Trash und Lärm. Der Himmel ist offen. Die Katastrophen werden täglich neu erfunden.

Dystopien sind nicht mehr nur Marketinggag, sondern Teil eines Pflichtprogramms zur Eroberung von Verkaufszahlen. Die Leisen hörst du nicht. Die Lauten übertönen sich schon beim Kommen und Gehen. Pferdestärke, donnernde Röhren und am besten mit 400 km/h über die Landstraße. Oh Mensch, oh Tier, wer bremst dieses Tempo? Ja. Das Geschrei – der Lärm um nichts – das war vor Trump.

Die Trumpologie folgt erst jetzt.

Jetzt werden wahrscheinlich alle, die lauter schreien wollen als Trump, ein Problem bekommen. Mit Trump. So gesehen. Der Käfig steht. Das Wrestling ist gut bestuhlt und das Zelt schon gebaut. Das Weiße Haus ist wieder von einem Weißen besetzt.

Und nun warten wir auf den täglichen Schrei, die Sprechblase über dem Haus. Die große weiße Blase mit ganz großen Buchstaben. ARGH!!!! UFF!!!! BLESS U!!!! GOD DAMN!!! DINOSAUR. Der Punk ist zurück.

Die Verstärker richten ihre Hochtöner gen Volk. Ein Käfig ist das weiße Haus. Für alle animalischen Gelüste. Soweit.

Das wäre nämlich zu einfach. Trotzdem. Einmal gut zu wissen, dass es sowas wie Urschrei, Ursprung und Grundgefühl gibt. Der Archetypus Godzilla ist nun gut beobachtbar in seinen neuen vier Wänden und hinter schicke Säulen gesperrt. Die Marionetten und Puppenspielerfabrik.

Und doch geht es um Kultur. Das hat, wie wir wissen, mehr verdient als nur Hallo hier Ich.

Machen wir uns nichts vor. Aber der Neoliberale Zug fährt allen zu schnell. Und dieser Bremsklotz in Form einer Trumpologie ist vielleicht auch mal gesund. Sollen sich die ihn gewählt haben jetzt ein bisschen in Sicherheit wiegen. Das Geschäftsgebaren der anderen werden sie nicht verhindern können, auch nicht verzögern … es droht vielmehr, dass sie bald alle erwachen und sehen. Mein Land, mein schönes Land, es ist noch immer dasselbe wie vor wenigen Jahren.

Es kam kein Trump mehr vorbei, sondern nur die Trumpologie.

Das Fernsehen wurde immer unterhalsamer zwar, und nackter und obszöner … aber irgendwie war da noch immer nichts für Otto-Stinker-Normal dabei. Der ist immer noch weiß, hat inzwischen einen Bierbauch, die Frau ist davon, die Kinder sind noch immer sehr teuer.

Das Auto fährt zwar mit subventioniertem Sprit, aber das Radio ist ständig kaputt, weil von den eigenen Leuten gelötet.

Machen wir uns nichts vor. Ronald Reagan, Bill Clinton und G.W. Bush, und jetzt Obama.

Die standen alle Pate in diesem Film. Nun drehen wir das Rad ein bisschen zurück. Nur ein bisschen. Mehr Kohle buddeln. Mehr Gold suchen. Noch mehr Wind um Katrina und Mathew. Bis endlich Emmerichs Vision vom meerumspülten New York Reality wird.

Geben wir ihm eine Chance. Er wird es nicht hinkriegen. Vielleicht hat Obama ja eines richtig gemacht. Den roten Knopf aus dem Weißen Haus entfernt oder unsichtbar versteckt. Hoffen wir das.

Nochmal zurück zur Kultur. Welche? Was kümmern wir uns um Werte? Welche? Ist etwa Neoliberalismus ein Wert? Die Slogans saßen schon mal besser. Ach was. Sagen wir so. Das Gebrüll und Geschrei ist nun jederzeit im Weißen Haus sicht- und hörbar, vielleicht.

Von golfspielenden Präsidenten wollte ich sowieso nie was wissen. Und das Leben geht weiter. Die Arbeit liegt auf den Straßen. Und wenn die Trumpologie nach sich zieht, dass BMWs wieder ausschließlich in Deutschland hergestellt werden … Chrysler und Ford sich im Gegenzug aus Deutschland zurückziehen. Was ändert das? Nun. BMW muss dann mal über Kleinwagen nachdenken. Innovationsschub bedeutet das. Revolution am Fließband.

Nochmal zur Kultur. Welche? Gestern habe ich, glaube ich, im Fernsehen nur einmal einen richtigen Satz gehört: Trump ist nicht Urheber einer Fehlentwicklung, sondern Symptom.

Eine Marionette des schlechten Stils. Und an den müssen wir uns jetzt wohl gewöhnen. Im Gegenteil. Den müssen wir uns vielleicht auch mal aneignen.

Warum darf ein Philosoph Zizek in aller Öffentlichkeit rumrülpsen, während ich gleich von grünen Männchen umzingelt werde, wenn ich das Wort Sprengstoff in den Mund nehme. Nur in den Mund, wohlgemerkt, nicht in die Hand. Das Wort Sprengstoff explodiert ja noch nicht. Es ist nur der Hinweis auf etwas, was explodieren könnte. Jaja, Volkswagen … Aktienkurse Samsung-Handys, die explodieren … ich muss ständig still sein, rumkuschen, darf niemandem sagen, dass er sich bitte mal den Popel von der Nase wischen soll.

Denn man könnte mir glatt unterstellen, ich hätte den Popel, und zwar nur den Popel in seinem Gesicht, pardon, an seiner Nase gesehen. Ich traue mich also nichtmal, ihm den Popel redend aus dem Gesicht zu wischen, da geht er mit dem Popel in seinem Gesicht die Straße entlang, und ich sehe ihn mit dem Arm ins Gesicht fahren, so hängt der wahrscheinlich an seinem Pullover, auch das darf ich nichtmal erwähnen, in dieser schönen heilen AchgottweltchenWelt.

Die Welt ist dunkel im November. Im Dezember. Und Trump kommt erst im Januar. Alles weitere dann? Können ja noch ein bisschen hysterisch werden in dieser trumpo-logischen wie trumpo-unlogischen Welt. Die Ratio hat es wirklich schwer. Der Verstand sowieso. Und die Vernunft braucht immer Zeit. Nehmen wir sie und machen jetzt bis Januar einfach mal ein Fass auf. Lesen nette Sachen. Gucken uns entspannt Satirefilmchen an. Und gehen ab und zu auf ein Konzert.

Und nicht vergessen. Die Lieben zu grüßen. Ein paar Gäste einladen. Gutes Essen zubereiten. Gute Musik auflegen. Und nicht immer über Trump reden. Sondern über unsere eigene Zukunft.

Er macht ja auch nur seinen Job, bald. Soll ich deswegen meinen jetzt einstellen? Ich bin kein Trumpologe. Reagan hat mich schon nicht interessiert. Clinton kenne ich nur als Lewinsky. Bush hat die Twintowers auf dem Gewissen. Und Obama hat eine tolle Frau. Hillary wird das verkraften. Und Trump hat sicher auch ein paar Berater.

Ich leg mich mal wieder hin. Im April dann sind die ersten 100 Tage Trump schon von gestern. Und wer glaubt, ich habe Obama nicht gemocht. Das Gegenteil ist der Fall. Er ist einer Idee von einem Miteinander gefolgt, das kann auch kein Trump mehr rückgängig machen.

Grüße in die Runde. Wir schaffen das. Vor allem da draußen am rechten Rand. Grüße in die Runde: Glaubt nur nicht, dass Identitäre oder sonstige volkstümliche Bewegungen wirklich glücklich machen, sie behindern einen eher in der Entwicklung. Das kann ich aus eigener Vergangenheit bestätigen.

Mein ganzes Leben lang war ich HSV-Fan. Und Nun? Wo steht der HSV heute? Platz 18. 2 Punkte in 10 Spielen. Super. Echt super. Echt Trumpologisch. Wer das Maul zu weit aufreißt, wird dann auch an diesem gemessen irgendwann. Hochmut kommt vor dem Fall. Und nun ist mal der Hochmut des Establishment abgestraft worden. Richtig so. Ein Weckruf hoffentlich. Shit happens und Anything goes, nun, das machen jetzt erstmal die andern. Auch richtig so. Denn bedenke. Wessen Dingsda du anfasst, dessen Geruch haftet dir an. So gesehen. Entspannt euch. Es ist Winter. Heizt eure Buden. Wer weiß wie lang das noch geht.

 

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Nach der Wahl ist vor der Wahl

Die Herausforderung an die Sprachwissenschaftler und -tüftler steht: Sich nicht mehr erheben über Trash, Kutte, Dreck und Trump, sondern ernstnehmen und akzeptieren. Die Fenster der Elfenbeintürme öffnen sich und draußen steht die Angst. Wie der Hysterie begegnen? Sind Schönsprech und gewaltfreie Sprache noch adäquates Gegengift? Moderieren, Ausharren und warten, bis der Arzt kommt – reicht das?

An diesem Wahlkampf konnte ich zwei Sprachansätze erkennen: Hier die freie Schnauze. Dort der gehobene Ton. Der gehobene Ton ist soeben entlarvt worden als die Stimme einer Oberschicht, des Establishments, der Arroganz und Überheblichkeit.

Die Wirklichkeit dagegen ist für niemanden einfach. Die westliche Welt steckt unleugbar in einer tiefen Krise. Anything goes und Shit Happens sind nicht einfach nur Gossenhauer … sie sind Leitbild unserer Kultur. Diese Verantwortungslosigkeit zieht einen Präsidenten Trump nach sich, der, im Wortsinn des Teppichs, nichts anderes unternommen hat, als ständig auf ihn drauf zu klopfen und dabei wurde so viel Staub aufgewirbelt, dass es zwangsläufig kein Weiterso mehr geben kann.

Es wurde ein Sprachsystem in Frage gestellt. Das der vorgehaltenen Hand, das der Verhandlungen in Hinterzimmern, das der Schönfärberei, es wurde einmal mehr sogar Statistik und Demoskopie ad absurdum geführt. Die Systeme funktionieren eben nicht. Die gesamte Datenerfassung steht im Sumpf. Das Wahlergebnis ist ein Aufschrei nach Liebe. Nach Rettung verlorener Heimat. Nach Verortung. Nach Inhalt. Das kann leugnen wer will, aber das ist eben auch der Nährboden unserer Zeit. Das Blindwütige, die permanente Optimierung, die Sucht nach Perfektion, hat das System und seine Teilnehmer verwundbar gemacht. Daraus erfolgt der Ruf und Wunsch nach Klarheit, Transparenz und ja: die Sicht auf das Fehlerhafte jedes Einzelnen.

Trump steht da wie ein Bekenntnis des Unvollständigen, des Kaputten, des Ergebnisses unserer Kultur, mit dem sich offenbar viele identifizieren. Das Kaputte Amerika hat sich Luft verschafft. Niemand will mehr flitzende Kugeln sehen oder Livecharts der Börse, das Erfolgssyndrom der Kapitalen Welt ist nur eine Versuchsanordnung und erodiert mehr als nur die Börse. Es ist dies vor allem ein Votum für und gegen das Kaputte. Die Bilder. Die Filme. Die Prügeleien, der Schmutz, die Differenzen, nichts lässt sich besser pushen als die Angst vor dieser Prügelei, dem Schmutz. Ein fast schon fatalistischer Infarkt. Ein Selbstmord auf Raten auferstehend aus Ruinenbildern. Ein tiefseelischer Anspruch nach der heilen Welt. Die Differenzen schmerzen, die Unterschiede sind nicht auszuhalten, die Identitäten verloren. Aus dieser Ursuppe lässt sich wundervolle Nazisuppe mit vielen Nazinudeln darin köcheln. Das macht ein Populist einfach besser als ein schön sprechendes High-Society Mitglied.

Es wurde eine Dekade abgewählt. Die Neureichen und Schönen der Demokraten haben Platz zu machen für die Altreichen und Schönen der Republikaner, denn die haben das Land aufgebaut, sie wollen nicht länger mit denen in einen Topf geworfen werden, die nichts haben.

Die Machtverhältnisse wollen wieder etabliert sein in Form von die Diedaoben reich und schön, die da unten dumm dick und arm. Es ist hier nichts anderes passiert, als die Trennlinien wieder sichtbar machen. Wieso soll sich ein Land regieren lassen von denen, die sich um Gleichberechtigung sorgen? Dass allein ist vielen zuwider und für sie nicht nachvollziehbar. Dann lieber ehrlich und klar: Das Establishment ist reich schön und vermögend und führt das Land. Alle anderen verdrücken sich in die Holzklasse. So sieht Reinheit aus. Klare Linie. Danke, Trump, dass wir wieder klarer sehen. Die Armen und Dicken und Dummen sollen sein, was ihnen zusteht: Opposition.

Da weiß man was man hat. Nichts. Nichtmal mehr die Macht. So dumm ist Volk. Sägt am Ast, auf dem es sitzt. Macht nix. Denn bald sehen wir ein bisschen noch klarer: Der Dumme, Dicke Arme bleibt dumm dick und arm. Zurück ins neunzehnte Jahrhundert. Besser zu wissen worunter man leidet als nur zu ahnen, worunter man noch so leiden könnte. Warum partizipieren, wenn doch Partizipation nur scheinbar gelingt. Dann besser nicht partizipieren und klarhaben, wem man es zu verdanken hat.

Trump will ein neues Infrastrukturprogramm … Autobahn- und Straßenbau, und wer macht das für welches Geld? Der selbstverschuldete Sklave hat sich einen neuen Job gewählt. Trump hat angekündigt Strafzölle auf Firmen zu verhängen, die im Ausland produzieren. Das ist mal gerecht. Das eigene Volk soll schrauben, hämmern, zusammennieten, was es fährt. Das Volk wählt, was es verdient: seinen neuen Arbeitsvertrag ohne Recht und ohne Vorsorgeverpflichtung, wenn schon arm, dann richtig. Das Versprechen steht: Für jeden Wähler seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit gibt es Stars and Stripes als Bettwäsche, als Wandteppich als Fußmatte. Und abundan eine Liveübertragung vom Dinner im Weißen Haus. Einer von uns isst Truthahn und Pommes.

Hoffen wir nur, dass Der Präsident Trump ein anderer ist als der Wahlkämpfer Trump. Hoffen wir, dass er bald versteht, dass es einen Unterschied macht zu repräsentieren und nicht zu polarisieren.

Gleichzeitig hat das Lager um das Immerweiterso endlich Zeit, sich zu justieren. Dass Trump nun in die Rolle des Immerweiterso gedrängt und gewählt wurde, wird ihm Schwierigkeiten bereiten, er hat auch noch die Mehrheit im Kongress.

Die Krise der westlichen Welt wird also vorerst nicht aufzuhalten sein, sie wird die Gegensätze und Ungleichgewichte wahrscheinlich noch verstärken. Das aber könnte am längeren Ende bedeuten: wenn die, die heute abgewählt wurden und verloren haben, sich neu aufstellen und konsolidieren, wird sich die Vaterstaatrolle unter Trump zwangsläufig in einen Mutter der Nation Ruf verwandeln. Schreiten wir (wer wir? – ich doch nicht?=!) also erstmal, getrennt durch Lager, den mageren Jahren entgegen, bis Ottonormalverdienersklave einsieht, dass sein Hirn nicht vergessen kann: Da hat doch jemand mal versprochen, dass es besser wird … und was passiert? Die alten/neuen Reichen fahren jetzt noch besser und schneller über die von uns errichteten Autobahnen und Straßen – und schon wieder hängt eine Subprimekrise über dem Land, und wieder muss man diese Krise exportieren, wohin diesmal?

Wir (wer wir? Ich etwa?=!) brauchen uns also nicht an Trump abarbeiten, der hat mit sich selbst genug zu tun, jetzt nämlich steht seine Glaubwürdigkeit zur Position. Die Drecksarbeit darf er jetzt machen! Und das ist gut so. Denn alle anderen können ihn nun beobachten beim Suhlen und Baden und Verdrecken im Schlamm, den er rührt, denn der Gegner ist aus- wie umgefallen. Endlich darf nun auch links vom Mississippi wieder gesagt werden, was man denkt. Der Freisprech, den sich die Rechten derzeit erlauben und ungezügelt anwenden, darf dann wieder von denen gesprochen werden, die sich für alles und jeden rechtfertigen mussten in den letzten Jahren.

Es wird also die Trennung zwischen Schönsprech und Dreckston wieder aufgemischt werden zugunsten einer Alles-ist-erlaubt-Sprache, die Tabus auf der linken Herzkammer sich nicht mehr zurückhalten müssen, die innere Migration beendet werden darf, denn endlich regieren wieder echte Flaschen.

So gesehen kann man auch mal ausatmen, denn das Scheitern ist nun bei den anderen. Wir werden sehen. Angst haben muss man um unsere Breiten. Denn das Komplexe wird uns auch hier schon zum Verhängnis. Überlassen wir es denen, die da rumschreien, sie bekämen es schon hin? Sollen sie mal machen? Besserwisser an die Macht? Denn dort geht eh nichts mehr? Oh Mutti, oh Mutti. Hörst du die Signale? Oder ist das Komplexe auch nur Importware aus deren Hegemonie / und nun wird alles klarer?

Herr Trump. Eine Bitte habe ich schon jetzt. Schaffen Sie bitte die Spam aus meinem Postkasten. Bitte. Seit Jahren lasst ihr das einfach schleifen. Ich wäre Ihnen sehr verbunden. Ergebenst Ihr Nichtwähler.