Liebe Tante SPD – Gertrud schläft

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Anlass der Bewirtung: Schulz will Kanzler werden und Maybrit Illner mit Frank Stauss, Mitinhaber Agentur „Butter“

Liebe Tante Gertrud – lieber Onkel Joseph – liebe Tante S P D… I feel so lonely … I want to leave … habt Ihr vielleicht gestern Abend Maybrit Illner gesehen? Euer werter Mann da: Auf die Frage, ob er einer Genossin (sic!), die 20 Jahre euren Laden mitgemacht hat, und nunmehr dummerweise bei der AfD gelandet ist, eine Rückrufaktion gönnen würde, antwortet er brüsk: Niemals.

Ich habe mir Euren Mann da in der Folge noch ein bisschen angeguckt. Und habe mir gedacht. Stimmt. Niemals käme eine Genossin auf die Idee, so einer Partei nochmal beizutreten.

Und jetzt noch das. Ich dachte, Schulz soll Außenminister werden. Jetzt will er auch noch  Kanzler werden, ich bin ratlos!

Mein Resümee für die Donald Trump Wahl Amerikas geht inzwischen in diese Richtung: es liegt nicht an den Inhalten, es liegt nicht an den Populisten, es liegt auch nicht an der gefühlten Armut oder an der Angst vor Armut. Es liegt auch nicht an der Donald-Duck-Sprache. Das alles mischt sich nur unter einen anderen Haufen. Und der heißt Personenkult a la SPD (Auch Hillary Clinton war dem oder Ähnlichem erlegen.)

Der Starkult im Land. Wenn fleißige Bürokraten glauben, sie hätten das Zeug zum Helden, zum Superstar. Dann ist nicht etwa mit den Inhalten etwas falsch, nicht mit den Leitbildern, sondern mit dem Charisma der Bürokraten, die glauben, sie wären zu Höherem berufen. Sie haben kein Charisma. Glauben aber, sie hätten es?

Sie spielen schelmische Spielchen und lachen ironisch. Oh Oh Tante SPD.

Wie soll das wieder werden? Wenn das Weiterso weiterbeklatscht und nicht zur Kenntnis genommen wird, dass die Trumpologen genau diese Lücke gesehen haben, es ausreicht entweder Schauspieler (Reagan) oder Entertainer (Trump) zu sein, so landet Tante S P D bald unter 15 % und die andern teilen sich den Kuchen. Aber unsere fleißigen Klatsch-Klatsch-Tanten wollen es einfach nicht verstehen?

Haben sie nicht vernommen, was der Herr aus Österreich gestern mit auf den Weg geben wollte? Kümmert euch um eure Leute! Hat er gesagt. Jetzt kümmern sich die noch liberaleren um die, die glauben, es sei inzwischen egal, wer sie führt, Hauptsache es passiert niemandem nichts.

Unser Herr da, ein Berater der S P D, hat die gar nicht auf dem Schirm. (das Wort kleiner Mann kann er nicht mehr hören – nicht mehr sehen – stimmt – der wohnt im Wedding und in Britz)  Dieser Mann hier redet von Komplexität – Leute, das will nur auch niemand mehr hören, auch, wenn wir ehrlich sind, kein Mensch mehr wissen (das ist ein sehr  akademischer Diskurs, nicht wahr?): O-Ton: Natürlich sind die (Unmutsbekundungen) in sozialen Zusammenhängen begründet, ABER sie sind auch in vielen anderen Dingen begründet, die ich schon benannt habe. O-Ton. Ich hörte es knistern.

Ja-Aber. Ja-und-Nein in einem. Und Jadoch vielleicht. So gefällt man sich in moderatem Miteinander in diesem Alles-möglich-Alles-erlaubt-nichts-geht-weiter-Hegemon und spricht dabei weder Tacheles noch Nachvollziehbares, so verlässt man seine Leute, und lässt sie urteilen und verurteilen. Das Urteil der Leute ist gnadenlos, wie wir gesehen haben.

Dieser Alles-ist-im-Wandel-Sprech. Natürlich wandelt es sich. Schon immer. Die vier Jahreszeiten. Fette Jahre. Dünne Jahre. IT macht Jobs kaputt. IT schafft Jobs. Aber tue man doch nicht so, als hätte Ottonormalverbraucher das nicht kapiert. Es scheint vielmehr die SPD den Wandel zu verschlafen. (Der geht nicht nur nach vorn?!)

Dieser Wandel heißt plötzlich: Openmind von gestern ist Schottendichtfürheute geworden. Das gehört ebenfalls zusammen und ins Denken mitgeführt.

Holt die Leute dort ab, wo sie sind: mitten im Wandel und nicht dort, wo die SPD stecken zu bleiben droht. In einem von Kanzler Schröder mit Gazprom und Hartz IV und Mecki Messer Riesters Rentenzusammenklappgelaber gebasteltem System, das die eigenen Leute auf die Strafbank setzt. Verkehrte Welt. Schröder schlägt die CDU mit CDU-eigenem Programm. Merkel schlägt zurück und damit die SPD. Ein wirklich sinnreiches Spiel.

Nochmal, Herr Wahlkampfhelfer der SPD:

Erstens. Ich hier bin ein Niemand. Kapierst du das? So fühle ich mich. Ein Niemand. Kein Psychologe kann mich hier noch abholen. Das ist keine Sache für den Arzt. Das ist das Ergebnis einer Politik, die nur sich selbst meint. Aber hör: Ein Niemand erträgt es nicht, wenn einer von euch behauptet, ich sei Teil von Etwas, das es nur unter Euresgleichen gibt, mir also mein Du-Bist-Niemand auch noch zum Vorwurf gemacht wird.

Denn Dein ICH weiß nichts von mir. Verstehst du das überhaupt? Du sagst jetzt, niemand könne von sich sagen, er sei ein Niemand. Der muss doch was missverstanden haben, dieser Niemand. Dann nenn‘ diesen Niemand nicht mehr Niemand, sondern Tante Getrud und Onkel Joseph von nebenan. Es bleibt das gleiche. Tante Gertrud schläft. Und Onkel Joseph guckt nachmittags Fernsehen, und abends schläft auch Onkel Joseph.

Belehrungen, wer er, Joseph, am Abend sei, oder sie, Getrud am Kassiererautomat, ertragen inzwischen weder Onkel Joseph noch Tante Getrud nicht. Denn niemand hat sie gefragt, ob sie zufrieden sind. Die fragen immer nur, wen wählst du nächstes Mal. Nie warum du nicht mehr zur Wahl gehst. Denn die Antwort lautet immer wieder: Nun, die lügen sich was in die Tasche. Siehst du Onkel Joseph, Tante Gertrud. Mit solchen Leuten wie euch will niemand reden! Ihr antwortet immer nur in Stereotypen. Tante Gertrud, Onkel Joseph, nun werdet doch mal wach. Nein, Tante Getrud ist noch Einkaufen, und Onkel Joseph spült das Geschirr. Da muss ich es eben sagen: Hey, Leute da, ihr ausgebildeten Propheten. Könnt Ihr beim Nächsten Mal bitte auch an Joseph und Gertrud denken, wenn Ihr über euch selbst nachdenkt?

Die Mär vom Weißen Mann. Die Mär von der Emanze. Im T-Shirt und im Nachtlokal. Da haben sie schon wieder einen Begriff für dich. Du seist ein Spinner aus dem Internet. Hey Gertrud, hey Joseph. Könnt ihr denen mal verraten, dass wir hier, wir drei, real und echt sind, jeder für sich. Ganz echt. Der eine wohnt unterm Dach, der andere in Transnistrien – zumindest in seinem Kopf – wenn er Fernsehen guckt, in Wirklichkeit im zweiten Stock. Habt Ihr das?

Dann eben nicht. Hier nun Zweitens: Wir leben in einem Land, in dem jeder auf den Fehler des anderen wartet. Deswegen haben WIR uns für Fehlervermeidungsstrategien entschieden. Wir bewegen uns lieber nicht. Wir sagen nichts. Wir wagen nichts. Wir gucken nur. Und dann kommt die Wut. Am Sonntag im Wahllokal. Zwei Kreuze. Bums. Jetzt zeig ich’s dir! Bums. Kreuz eins Kreuz zwei. Ich habe immer gesagt, ich wähle nicht. Jetzt wähl ich doch. Und wo landet mein Kreuzchen? Nicht bei Tante SPD. Die lügen ja noch immer. Das geht natürlich auch an Tante SPD nicht spurlos vorbei. Sie macht jetzt auf Angsthase … macht eigentlich immer weniger. Man kommt ganz gut zurecht mit Tante SPD. So mut- und zahnlos. Jeder will perfekt sein. Jeder will es besser wissen. Die Fakten, wissen wir, sind Teil des Problems:

Deswegen Drittens. Der Begriff des Establishment ist wirklich grrrrrrrauslig. Ja, er ist tatsächlich fürchterlich. Warum hört ihr dann nicht einfach auf damit? Hört auf, etabliert zu sein, kommt doch Tante Gertrud und Onkel Joseph mal besuchen. Bringt ein bisschen Kuchen mit und Wodka. Und wir machen eine Sause. Stattdessen die klassischen Frames und das profaktische Wissen – das interessiert vielleicht nur dein ICH, sich profilieren, und den neusten Sprech sprechen, aber sonst Niemanden. Denn Tante Gertrud schläft und Onkel Joseph raucht sich eine und ich schreibe diese Nummer.

Morgen dann … ja morgen dann … ist auch Teil des Problems.

Dass ihr voneinander abschreiben könnt, haben wir begriffen. Euch gegenseitig zuhören, Lauschen. Und lernen voneinander. Interessiert nur Niemanden. Das ist nur Teil des Problems. So ihr beiden Süßen da, Schulte und Gabriel, werdet euch einig auf dem Foto? Auch das ist Teil des Problems.

Tante Getrud und Onkel Joseph wissen einen Rat, ich kann ihn unterstützen:

Liebe Tante SPD: Wie wäre es mal wieder mit einer Runde Opposition? Einfach mal die Stühle räumen, sich in die zweite Reihe setzen und mal ein bisschen rumstänkern wieder. Was glaubt ihr, wie Tante Gertrud und Onkel Joseph das finden? Töfte sagen sie. Töfte ja. Butter bei die Fische. Trommelwirbelt mal wieder Tante SPD: Denn die Fehler sind immer bei den anderen. Auch das ist Teil des Problems.