Selfpublishing leicht gemacht

Selfpublishing – Ernüchterung macht sich breit und wie man sich selbst publizierend selbst frustriert

 

Der Tipp kam von einem Zwischenhändler der Literatur, ein Türsteher quasi. Er hat Verbindungen zu Literaturagenten und wurde mir empfohlen von einer Bekannten … soweit so gut. Ich überreiche ihm eines Tages Teile meiner Exzerpte … und erhalte erstmal keine Antwort … nachdem ich ihm dann auf die Pelle rücke und frage, ob er mit meinen Sachen vorwärtskommt … die kurze Antwort, er brauche noch zwei Wochen, er sei viel unterwegs. Nach drei Wochen dann treffen wir uns in einer Kneipe. Da bekomme ich die einfache aber schlichte Anmerkung zu hören. Publizieren nein, weitermachen ja, Selfpublishing ja.

Parallel dazu einer meiner besseren Bekannten aus alten Zeiten seine Bücher unlängst ebenfalls selbstpublizierend untergestellt hat … mit einigermaßen mittelprächtigem Erfolg – immerhin einmal pro Tag käme da inzwischen ein Kauf zustande … aber das ist doch ein Riesenerfolg, denke ich … jedenfalls sollte ich das auch mal machen … ich hätte da doch schon seit Jahren was in der Pipeline. Ja hatte ich. Damals, 2002 hieß es seitens Agent: hat das Zeug zu einem großen Autor, arbeitet aber sehr unstrukturiert, man kann keine Linie erkennen. Dieses Kompliment brachte mich dazu, mein Schreiben zu rekapitulieren – und es erst vor weniger als drei Jahren wieder aufzunehmen mit quasi zehnjähriger Verspätung – das war vor allem erstmal ein Kampf mit und gegen sich selbst. Denn wie leicht fließt was durch Schädel, Finger und Monitor aufs Papier – und wieviel von dem ist glatt für die Ablage Müll … das weißt du selbst am wenigsten. Nun gut, die Aussage steht. Publizieren nein, weitermachen ja, Selfpublishing ja.

Ich also auf hoher See – mit Rettungsschwimmer und allem Essbaren, was der Kühlschrank so hergibt. Meine Werke verbessert und verbessert und korrigiert und korrigiert und einmal ins Netz gestellt … und gewartet … und nichts … passiert. Ich wieder verbessert und verbessert und korrigiert und korrigiert … nochmal ins Netz gestellt … nichts passiert. Dann einmal auf umsonst als Werbeangebot … 150 Downloads in einer Woche … der Wahnsinn … keine Rezension, keine Alimente … danach wieder nichts. Ich das Werk wieder offline gestellt … und wieder verbessert und verbessert, umgeschrieben, andere Handlungsstränge … und bin heute noch nicht fertig damit.

Parallel die drei vorliegenden Bücher verbessert und verbessert, korrigiert und korrigiert, bei Freunden zum Lesen untergebracht … Resonanz ja, sei schon was dran … aber … und dann wieder verbessert und verbessert und korrigiert und korrigiert … bis ich das Gefühl habe, jetzt ist es soweit …

… und stelle es Online. Nichts passiert. Ich weiß und spüre, es kennt mich niemand. Niemand weiß, wer da schreibt. Der Name ist vollkommen unbekannt. Du musst Werbung machen. Also Facebook-Account aufgemacht … nichts passiert. Auch da nach ca. 3 Monaten vielleicht fünf Freunde … alles Freunde aus längst vergangenen Tagen … 2002 … da war ich aktiv im Netz …. alle Kontakte abgebrochen … beiderseitig … [beiderseitig heißt: die virtuelle Welt gegen die reale zurückgetauscht] nur eben die fünf da … die waren wieder im Boot …. Ich bekomme regelmäßig ein oder zwei I Like it und so langweilt mich das Facebook Account köstlich und wird von mir vernachlässigt und schließlich zum Termin, da Facebook noch mehr über meine Daten verfügen möchte, abgestellt.

Tja … das weiß ich noch aus 2002 … da war ich ca. sechs Stunden pro Tag online, um nach sage und schreibe zwei Jahren einen Freundeskreis von vielleicht sechs oder sieben Leuten zu haben … plus die Peripherien, die sich durch solche Kreise ergeben. Das mache ich nicht noch einmal, heißt seitdem die Devise. Aber wie bringe ich jetzt meinen Namen an den Mann, die Frau? Ich müsste mir ein Profile-Modell aufbauen … dachte ich … zwölf Profile? Zwanzig? Vierzig? Und überall rumposten …. Gott, wie aussichtslos ist das denn? Genauso wie die Arbeit an meinen Texte wahrscheinlich … denn längst bin ich auf dem Boden der Tagsachen angekommen, mein Schreiben ist einfach schlecht, denke ich seit längerem … es liegt nicht an der mangelnden Werbung, es liegt einfach an deinem schlechten Schreibstil … an deinen langweiligen Geschichten, am miesen Plot. Also lass dir die nächsten Exemplare mal ausdrucken und verschenke sie an deine treuesten Fans … das sind deine Freunde … und mal schauen, wer sich von denen künftig überhaupt nochmal meldet. Tatsache. Die Bücher sind inzwischen zehnmal verschenkt … und gelesen hat sie, glaube ich, noch immer keiner … und wenn … nun … dann habe ich sie wohl vergällt … melden sich nicht mehr, sondern warten auf die von mir versprochenen weiteren Veröffentlichungen, da habe ich noch vier Stück auf Halde … mache also auf den vier anderen Kanälen weiter, während ich erkenne: bei meinen drei publizierten Exemplaren gibt es inzwischen zwei Käufer … Freunde der Nacht, das sind zum einen der Freund mit dem mittelprächtigen Erfolg bei einem verkauften Exemplar pro Tag – wobei ich ihm das auch nicht mehr glaube; denn eigentlich müsste das Buch dadurch immer an vorderster Front mitspielen … auch egal … wenn er es glaubt, muss es so sein … und der zweite Käufer ein weiterer Freund, der sich für mich auch schon mehrfach eingesetzt hat … die restlichen Käufe tätigte ich selbst und warte auf weitere Gelegenheiten zu verschenken …

Während ich auch erkennen kann … meine Bücher gibt es inzwischen raubkopiert auf diversen File-Sharing Servern – schön. Da wird doch wenigstens mein Name bekannt – aber wahrscheinlich wird da nur gesaugt und nicht gelesen – und wenn schon gelesen … kann mir kaum vorstellen, dass ich deren Geschmack getroffen habe – ich bin ja ein elender Moralist … während die Piraten sind … die lachen längst über mich … jaja, das Lachen … das kann einem vergehen, wenn man bald regelmäßig auf seine Artikel sieht, und bemerkt, dass es neben dem eigenen Exemplar noch ein Kriegsbuch zu gucken gibt und diese ganzen Schmonzetten-Bücher auch, und Hanni und Nanni in weiblicher Kussmund-Manier – und all das schöne Geschreibsel um die Schmetterlinge im Bauch und dem Kribbeln auf der Haut … dann mach doch auch sowas … schreib ein bisschen Softporno, ein bisschen Soft-Killing und ein bisschen Polizisten-Romantik … warum machst du das nicht? – nun ich kann das nicht … muss es erst lernen … muss ich Kurse besuchen … gibt es im Netz … kostet … egal musst du machen … Dauer des Kurses? Ein halbes Jahr … plus dann … weil du es inzwischen besser kannst … ein weiteres Jahr fürs Manuskript … das du dann einstellen kannst, und vielleicht haben die von der Schreibwerkstatt ja auch ein Auge auf dich geworfen und empfehlen dich weiter, allein weil sie Werbung brauchen für ihre Werkstatt … vielleicht … tja … ich kann ja stattdessen 9,90 Euro pro Monat zahlen für Kindle Select – und gucken wie man Hardcore-Pornos schreibt und Hardcore-Krimis und Hardcore Dialoge und sowieso – dann nochmal darüber nachdenken, warum und wozu nun auch ich mit Porno Krieg und Lutschen konkurrieren oder mithalten will – und über was Eigenes nachdenken – etwas ganz Eigenes produzieren … in die Schublade damit … alles zu Daten gemacht … alles als Tagebuchprosa auf Festplatte gebrannt … da kann ich es gleich auf meine Webseite stellen und dort dann … aber nein, dann wird es wahrscheinlich geklaut und umgeschrieben und so verbreitest du zwar nicht deinen Namen aber deine Inhalte und dann sind auch die futsch …. und das nur, weil dich niemand kennt und du keine Ahnung hast … wie man auf sich aufmerksam macht, außer dass dir einfällt, 50 Avatare zu bauen, die du überall auf die Gemeinde loslässt … bis sie deinen Namen endlich gesehen und gelernt haben und ihn nicht mehr ertragen, weil der immergleiche Name sowieso bald zum Hals raushängt … bleibt die Aussage des Türstehers, Publizieren nein, Weitermachen ja, Selfpulbishing ja

Weil es eh keinen Unterscheid macht … ob du es selfpublihing nennst oder selfrefracking – Alles zwei Latschen mit ausgetretenen Füßen darin … die Kugel dreht sich weiter und du stehst auf der falschen Straße … stattdessen frisch eingeflogen: Ein Statement als Mail mit einem Word-Attachement … kann ich öffnen … dann fährt mein Rechner Schlitten im Netz … habe die anderen was von meinem Rechner … tolles Marketing wirklich…. SPAM … Kann ja diesen Brief auch als SPAM überall hin schicken. Hello Dear, my Name is Clemens Verhooven, I like you very much, I’m a Consultant of my own Writing … and I’m asking you if you can help me to make me sichtbar for people who don’t know me and don’t feel bothered, if they read me. Thanks a lot. Greetings and big Kiss Your Dentist Verhooven