Trumpologien

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Schwierig, das zu verstehen? Wenn man es komplex will ja. Will man es klarhaben, relativ einfach. Alle Archetypen der Mythologien einmal durch den Wahnsinn gejagt multipliziert mit den Möglichkeiten der neuen Medien. Macht Sex, Porno, Hate-Speech plus Unterwäsche. Macht Entsetzen, Wut und Ignoranz. Macht Bonobo gepaart mit Baumstämme rauf wie runter. Macht Toxikologie geteilt durch seine Verbrennbarkeit. Wir haben uns längst an Emerich gewöhnt, da kommt es noch schlimmer. Wenn Kino glaubt, es drehe einem den Hals um, die Wirklichkeit bricht einem das Genick?

Will ich das zusammenfassen, in wenigen Sätzen, brauche ich Schlagworte: Rassismus. Establishment. Sexismus. Wut. Cowboystiefel. Wrestling. Den Urschlamm der Postmoderne. Gut und Böse stehen sich Auge im Auge. Die Seelen einer jeden Brust öffnen sich und lassen alle Miesepeter, Greenhorns und sämtliche Ansichten eines Clowns neu auferstehen. Nur dass diesmal Frankenstein Autor ist und nicht Werner Herzog. Will ich es verstehen, müsste Wim Wenders Out of Rosenheim noch einmal drehen, nur mit Tarantino als Tankstellenwärter. Will man das verstehen, muss man G.W. Bush noch einmal von vorn bis hinten ansehen. Das Amerika, von dem wir hier reden, hatte einen kurzen glamourösen Auftritt in einer Oper von Verdi, der Reality-Schock kam nachmittags übers Reality-TV in jedes Wohnzimmer … da bluteten die Herzen, Nasen und sonstige verwundbare Stellen. Der Mensch auf der Suche nach Schmutz, Unrecht und My Home is my Bomb.

Es ist dies vor allem ein Sieg der Medien über sich selbst. Wenn man alles darf, keine Zensur hilft, jeder noch so Dahergelaufene plötzlich Hauptrollen übernimmt, nur weil mehr als zwanzigtausend auf der anderen Seite Yeah Yeah Yeah rufen, haben wir den Salat versalzen und gepfeffert gewürgt und verstopfend. Das postmoderne Märchen weicht dem modernen des Anything goes und Shit Happens … und da Moral, Ethik und Anstand langweilige Spielarten der Disziplin und der Kontinuität nach sich ziehen, will man es lieber heiß als kalt, lieber erschreckend als beruhigt, lieber monströs statt beschaulich.

Es gibt genug Hinweise, dass da plötzlich eine heile Welt durch eine zombierte ausgetauscht wird. Und niemand will das gesehen oder erahnt haben? Wo sind unsere Zukunftsforscher, die Psychologen und die Vermittler und Diplomaten und Weisen und Autoren und Lehrer und Mütter und Pfarrer und Autoschlosser und Mechaniker und Chemiker und Biologen und Elektriker und Programmierer und Barbetreiber und Musiker und Zugführer und Verkäuferinnen und sowieso alle, die morgens die Straßen säubern, abends die Straßen säubern,  die Wurst der Metzger, das Lamm?

Sie alle verrichten ihre Jobs jenseits der Öffentlichkeit. Die Öffentlichkeit aber wird bestimmt von Bildern, Film, Interviews, von Noisy-People. Es ist also der mediale Triumph eines Trump im Lautesten der Lauten.

Um sich heute Gehör zu verschaffen, musst du provozieren und die Lücken des Schweigens aufreißen. Höher schneller weiter und am Ende haben wir alle eine dicke Schnauze?

Die hat nun ein vorzeitiges Zwischenhoch erreicht, und die Furcht geht um, das ließe sich noch toppen. Wahrscheinlich lässt es sich noch toppen. Denn die Kinofilme haben es schon drauf. Und wir, die Immunisierten gegen all diesen Trash und Lärm wollen noch mehr Trash und Lärm. Der Himmel ist offen. Die Katastrophen werden täglich neu erfunden.

Dystopien sind nicht mehr nur Marketinggag, sondern Teil eines Pflichtprogramms zur Eroberung von Verkaufszahlen. Die Leisen hörst du nicht. Die Lauten übertönen sich schon beim Kommen und Gehen. Pferdestärke, donnernde Röhren und am besten mit 400 km/h über die Landstraße. Oh Mensch, oh Tier, wer bremst dieses Tempo? Ja. Das Geschrei – der Lärm um nichts – das war vor Trump.

Die Trumpologie folgt erst jetzt.

Jetzt werden wahrscheinlich alle, die lauter schreien wollen als Trump, ein Problem bekommen. Mit Trump. So gesehen. Der Käfig steht. Das Wrestling ist gut bestuhlt und das Zelt schon gebaut. Das Weiße Haus ist wieder von einem Weißen besetzt.

Und nun warten wir auf den täglichen Schrei, die Sprechblase über dem Haus. Die große weiße Blase mit ganz großen Buchstaben. ARGH!!!! UFF!!!! BLESS U!!!! GOD DAMN!!! DINOSAUR. Der Punk ist zurück.

Die Verstärker richten ihre Hochtöner gen Volk. Ein Käfig ist das weiße Haus. Für alle animalischen Gelüste. Soweit.

Das wäre nämlich zu einfach. Trotzdem. Einmal gut zu wissen, dass es sowas wie Urschrei, Ursprung und Grundgefühl gibt. Der Archetypus Godzilla ist nun gut beobachtbar in seinen neuen vier Wänden und hinter schicke Säulen gesperrt. Die Marionetten und Puppenspielerfabrik.

Und doch geht es um Kultur. Das hat, wie wir wissen, mehr verdient als nur Hallo hier Ich.

Machen wir uns nichts vor. Aber der Neoliberale Zug fährt allen zu schnell. Und dieser Bremsklotz in Form einer Trumpologie ist vielleicht auch mal gesund. Sollen sich die ihn gewählt haben jetzt ein bisschen in Sicherheit wiegen. Das Geschäftsgebaren der anderen werden sie nicht verhindern können, auch nicht verzögern … es droht vielmehr, dass sie bald alle erwachen und sehen. Mein Land, mein schönes Land, es ist noch immer dasselbe wie vor wenigen Jahren.

Es kam kein Trump mehr vorbei, sondern nur die Trumpologie.

Das Fernsehen wurde immer unterhalsamer zwar, und nackter und obszöner … aber irgendwie war da noch immer nichts für Otto-Stinker-Normal dabei. Der ist immer noch weiß, hat inzwischen einen Bierbauch, die Frau ist davon, die Kinder sind noch immer sehr teuer.

Das Auto fährt zwar mit subventioniertem Sprit, aber das Radio ist ständig kaputt, weil von den eigenen Leuten gelötet.

Machen wir uns nichts vor. Ronald Reagan, Bill Clinton und G.W. Bush, und jetzt Obama.

Die standen alle Pate in diesem Film. Nun drehen wir das Rad ein bisschen zurück. Nur ein bisschen. Mehr Kohle buddeln. Mehr Gold suchen. Noch mehr Wind um Katrina und Mathew. Bis endlich Emmerichs Vision vom meerumspülten New York Reality wird.

Geben wir ihm eine Chance. Er wird es nicht hinkriegen. Vielleicht hat Obama ja eines richtig gemacht. Den roten Knopf aus dem Weißen Haus entfernt oder unsichtbar versteckt. Hoffen wir das.

Nochmal zurück zur Kultur. Welche? Was kümmern wir uns um Werte? Welche? Ist etwa Neoliberalismus ein Wert? Die Slogans saßen schon mal besser. Ach was. Sagen wir so. Das Gebrüll und Geschrei ist nun jederzeit im Weißen Haus sicht- und hörbar, vielleicht.

Von golfspielenden Präsidenten wollte ich sowieso nie was wissen. Und das Leben geht weiter. Die Arbeit liegt auf den Straßen. Und wenn die Trumpologie nach sich zieht, dass BMWs wieder ausschließlich in Deutschland hergestellt werden … Chrysler und Ford sich im Gegenzug aus Deutschland zurückziehen. Was ändert das? Nun. BMW muss dann mal über Kleinwagen nachdenken. Innovationsschub bedeutet das. Revolution am Fließband.

Nochmal zur Kultur. Welche? Gestern habe ich, glaube ich, im Fernsehen nur einmal einen richtigen Satz gehört: Trump ist nicht Urheber einer Fehlentwicklung, sondern Symptom.

Eine Marionette des schlechten Stils. Und an den müssen wir uns jetzt wohl gewöhnen. Im Gegenteil. Den müssen wir uns vielleicht auch mal aneignen.

Warum darf ein Philosoph Zizek in aller Öffentlichkeit rumrülpsen, während ich gleich von grünen Männchen umzingelt werde, wenn ich das Wort Sprengstoff in den Mund nehme. Nur in den Mund, wohlgemerkt, nicht in die Hand. Das Wort Sprengstoff explodiert ja noch nicht. Es ist nur der Hinweis auf etwas, was explodieren könnte. Jaja, Volkswagen … Aktienkurse Samsung-Handys, die explodieren … ich muss ständig still sein, rumkuschen, darf niemandem sagen, dass er sich bitte mal den Popel von der Nase wischen soll.

Denn man könnte mir glatt unterstellen, ich hätte den Popel, und zwar nur den Popel in seinem Gesicht, pardon, an seiner Nase gesehen. Ich traue mich also nichtmal, ihm den Popel redend aus dem Gesicht zu wischen, da geht er mit dem Popel in seinem Gesicht die Straße entlang, und ich sehe ihn mit dem Arm ins Gesicht fahren, so hängt der wahrscheinlich an seinem Pullover, auch das darf ich nichtmal erwähnen, in dieser schönen heilen AchgottweltchenWelt.

Die Welt ist dunkel im November. Im Dezember. Und Trump kommt erst im Januar. Alles weitere dann? Können ja noch ein bisschen hysterisch werden in dieser trumpo-logischen wie trumpo-unlogischen Welt. Die Ratio hat es wirklich schwer. Der Verstand sowieso. Und die Vernunft braucht immer Zeit. Nehmen wir sie und machen jetzt bis Januar einfach mal ein Fass auf. Lesen nette Sachen. Gucken uns entspannt Satirefilmchen an. Und gehen ab und zu auf ein Konzert.

Und nicht vergessen. Die Lieben zu grüßen. Ein paar Gäste einladen. Gutes Essen zubereiten. Gute Musik auflegen. Und nicht immer über Trump reden. Sondern über unsere eigene Zukunft.

Er macht ja auch nur seinen Job, bald. Soll ich deswegen meinen jetzt einstellen? Ich bin kein Trumpologe. Reagan hat mich schon nicht interessiert. Clinton kenne ich nur als Lewinsky. Bush hat die Twintowers auf dem Gewissen. Und Obama hat eine tolle Frau. Hillary wird das verkraften. Und Trump hat sicher auch ein paar Berater.

Ich leg mich mal wieder hin. Im April dann sind die ersten 100 Tage Trump schon von gestern. Und wer glaubt, ich habe Obama nicht gemocht. Das Gegenteil ist der Fall. Er ist einer Idee von einem Miteinander gefolgt, das kann auch kein Trump mehr rückgängig machen.

Grüße in die Runde. Wir schaffen das. Vor allem da draußen am rechten Rand. Grüße in die Runde: Glaubt nur nicht, dass Identitäre oder sonstige volkstümliche Bewegungen wirklich glücklich machen, sie behindern einen eher in der Entwicklung. Das kann ich aus eigener Vergangenheit bestätigen.

Mein ganzes Leben lang war ich HSV-Fan. Und Nun? Wo steht der HSV heute? Platz 18. 2 Punkte in 10 Spielen. Super. Echt super. Echt Trumpologisch. Wer das Maul zu weit aufreißt, wird dann auch an diesem gemessen irgendwann. Hochmut kommt vor dem Fall. Und nun ist mal der Hochmut des Establishment abgestraft worden. Richtig so. Ein Weckruf hoffentlich. Shit happens und Anything goes, nun, das machen jetzt erstmal die andern. Auch richtig so. Denn bedenke. Wessen Dingsda du anfasst, dessen Geruch haftet dir an. So gesehen. Entspannt euch. Es ist Winter. Heizt eure Buden. Wer weiß wie lang das noch geht.

 

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