über mich

Geboren in Hamburg, Kindheit in Süd Afrika, dort sprachen wir angeblich fünf Sprachen. Wenn man die Tonbänder von damals hört, so war das eine neue Sprache, eine Mischung aus Englisch, Deutsch, Afrikaans, ein paar indische Einsprengsel und tatsächlich hatte Vater auch Zulu ins Haus gebracht, allerdings ohne den berühmten Zungenschlag, der klingt wie das Entkorken von Wein.

Wieder in Deutschland schließlich, diese neue Sprache ersetzt werden musste durch ein fließendes und „sauberes“ Deutsch.

Wenn die Erinnerung an diese Zeit eine Episode freisetzt, so meine Solidarität mit Jenny, einer Amerikanerin, die ebenfalls kaum Deutsch konnte, so sollten wir vor allen das Alphabet deutsch buchstabieren.

Dieses Erzittern vor den Buchstaben scheint noch immer in mir zu sein, so albern das klingt, aber wer sich wegen eines Alphabets blamiert, hat in der deutschen Sprache noch kein Zuhause gefunden – auch das klingt albern, ist aber, denke ich, Grundvoraussetzung für ein Selbstbewusstsein oder sagen wir es anders: für eine Selbstsicherheit in den Worten.

Umso erstaunlicher, dass meine damalige Deutschlehrerin meinen Eltern empfahl, mir als erste Fremdsprache Latein anzutun (was für ein Unsinn, denke ich manchmal, sollte ich wirklich Mediziner, Theologe oder Archäologe werden – der Höhepunkt dann in der 9.Klasse, als ich, vom Lateinlehrer dahin gelockt, auch noch Alt-Griechisch lernte – ein Horrortrip der besonderen Art), nun denn, eine gewisse mathematische Begabung liege im Kind – und so verstarb mein Englisch.

Latein war also die sechste Sprache, von der, betrachtet man es über den Abstand der eigenen Lebensjahre, nichts geblieben ist. Und wenn man mich fragt, antworte ich gern mit einer ganz anderen Sprache: Ironie.

Die mit Abstand schwerste, weil missverständlichste von allen – aber auch beste – wo bleibt sonst der Spaß.

Was mich leitet, was ich bin. Der Text ist sozusagen „werkimmanent“ – soll man noch einmal das Schreiben als solches thematisieren? Eine schwierige Frage, wenn man nach Antworten sucht. Eine einfach zu verneinende, wenn man davon abstrahiert, dass Schreiben ein vergegenwärtigender Prozess ist, aber nicht immer das Naheliegende, das Sich-Schreiben-hören beim Anschlag der Tastatur, ist gleich auch das Aufregende.

Tatsächlich fliegen mir die Sachen nicht immer zu, und vieles, was durch mich hindurchfloss, ist häufig Ergebnis einer sogenannten Schreibblockade. Da schreibe ich dadaistischen Unfug, und brauche Wochen oder Monate, das von mir wegzukriegen, es zu korrigieren, es zu streichen. Ich habe neulich eine Entdeckung gemacht.

Schreiben hat per se ein eigenes Tempo.

Es ist dies das Einfließen von Worten in die Maschine, die den Umweg über das Gehirn finden. Wenn ich das nach Wochen lese, stelle ich fest: Das ist nicht mein Lesetempo. Im Lesen bin ich ungeduldiger. Und manchmal sogar geduldiger (vor dem Hintergrund hastig oder schnell geschriebener Texte).

Diese Lese- wie Schreibetempi wechseln sich noch ab. Ohja. Wie findet man seine eigene Sprache.

Das ist die Frage, seit ich mir bewusst bin, dass Kinder es mit dem Sprechen so meinen, wie sie es sagen, während ich es mit dem Sprechen häufig so habe, dass ich mir ungläubig zuschaue.

– Nun muss und kann ich mich dafür nicht auch noch entschuldigen. Denn ich bin Kind meiner Zeit. Und gehe offenen Auges durch Straßen, manchmal schon blind, vom Zuviel an Eindrücken – und doch weiß ich: Das Draußen ist ein Vielfaches von mir. Ich bin sein Filter.

Dieser Filter hat nicht immer die richtige Tiefe, Schärfe, den richtigen Fokus – er ist ein Substrat meiner Stimmung und Laune, er gleicht einer Schutzfolie – durch die ich, meine Membran, wahrzunehmen glaube, wahrnehmen will.

Ein paar Eckdaten. Hamburg ist meine Geburtsstadt. Süd-Afrika (Also Kapstadt, Port Elizabeth, Durban, Johannesburg) haben Kindheitsspuren gezeichnet – Dann kommt das Hessische Mittelgebirge, es folgt Düsseldorf, es wird Berlin.

Seit 30 Jahren lebe ich in dieser Stadt – und was mich an ihr fasziniert: Ich bin kein Berliner.

Ich fühle mich auch nicht arm aber sexy. Ich lebe in dieser Stadt, die sich tatsächlich verändert – war sie in den Neunzigern noch so etwas wie ein hippes Getrashe von Untergrundkultur bis Pink Floyd, ist sie inzwischen ein touristischer Treffpunkt – und täglich begegne ich mehr Chinesen als Amerikanern, und vielmehr Russen als Deutschen in dieser Stadt.

Und Engländer begegnet man häufig beim Brötchenholen, da kommen sie angeschlagen aus Tanzlokalen, während ich mich wundere, wie sie das durchhalten – Berlin ist meine Stadt mit dir.

Ich bleibe am Ball. Auch wenn manchmal Trainingseinheiten anstehen und man sich nicht immer von falschen Hauptsätzen leiten lassen soll.

Geschichte nämlich wird nicht von Gewinnern geschrieben, denn erst die Geschichte der Verlierer erzählt vom „echten“ Leben. Deswegen weiter. In der Hoffnung, dass einmal, eines guten Tages, jemand vor dir steht und sagt, guck, ich habe dir was mitgebracht. Ein Buch zum Schmunzeln. Ein Buch fürs Herz. Ein Buch, was ein Leben beschreibt, umschreibt, aufschreibt – etwas für Dich. Schenke ich Dir!

Ob du danach noch mein Freund bist, steht in einem anderen Buch.